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Wie hoch sind die Löhne in der Schweiz?

Die Löhne in der Schweiz gehören zu den höchsten der Welt. Das ist kein Mythos, sondern eine gut belegbare Tatsache. Allerdings muss man diese Zahlen immer im Kontext der extrem hohen Lebenshaltungskosten und der steuerlichen Abzüge sehen. Was auf dem Papier beeindruckend aussieht, schrumpft auf dem Bankkonto dann doch merklich zusammen.

Die Medianlohn für eine Vollzeitstelle liegt derzeit bei etwa 6500 bis 6800 Schweizer Franken brutto im Monat. Das bedeutet, dass die Hälfte aller Arbeitnehmer mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Die Durchschnittslohn ist mit rund 7000 bis 7500 Franken etwas höher, weil die sehr hohen Einkommen der Spitzenverdiener die Statistik nach oben ziehen. Wer als ungelernte Kraft in der Gastronomie oder im Einzelhandel arbeitet, startet oft bei etwa 4000 bis 5000 Franken brutto. Das ist im europäischen Vergleich immer noch sehr gut, reicht in teuren Städten wie Zürich oder Genf aber gerade so für ein bescheidenes Leben.

Für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einem Studium sieht das Bild ganz anders aus. Ein Ingenieur im ersten Berufsjahr kann mit 7500 bis 9000 Franken rechnen. In der Pharmaindustrie und bei grossen Konzernen wie Roche oder Novartis sind sogar Einstiegsgehälter jenseits der 10000 Franken keine Seltenheit, wenn man über ein starkes Fachprofil verfügt. Die IT Branche zahlt ebenfalls sehr gut. Ein erfahrener Softwareentwickler oder Data Scientist verdient schnell 9000 bis 12000 Franken monatlich, bei Führungskräften sind 15000 Franken und mehr möglich. Im Bankensektor schwanken die Gehälter stark je nach Position. Eine normale Bankangestellte verdient vielleicht 6000 bis 8000 Franken, während eine Investmentbankerin oder ein Portfoliomanager problemlos im fünf- oder sechsstelligen Bereich pro Monat landen kann.

Die Region spielt für die Höhe des Lohns eine grosse Rolle. In Zürich und Genf sind die Gehälter in der Regel am höchsten, weil dort die grossen Firmen sitzen und die Lebenshaltungskosten enorm sind. Gleichzeitig zieht der Kanton Zürich auch mehr Steuern ab als beispielsweise der Kanton Zug oder Schwyz. Das bedeutet, dass ein Bruttolohn von 10000 Franken in Zug netto deutlich mehr wert ist als derselbe Betrag in Genf. Wer also flexibel ist, was den Wohnort angeht, sollte die Steuerlast unbedingt in seine Kalkulation einbeziehen. Im Tessin oder in der Romandie liegen die Löhne teilweise etwas niedriger, aber auch dort ist das Niveau im internationalen Vergleich exzellent.

Ein besonders wichtiger Punkt ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto. In der Schweiz werden vom Bruttolohn die AHV (Alters und Hinterlassenenversicherung), die IV (Invalidenversicherung), die EO (Erwerbsersatzordnung), die ALV (Arbeitslosenversicherung) und die Pensionskasse abgezogen. Hinzu kommt die obligatorische Krankenversicherung, die man selbst abschliessen und bezahlen muss. Insgesamt gehen davon schnell 15 bis 25 Prozent des Bruttolohns drauf, manchmal mehr, je nachdem wie hoch die Pensionskassenbeiträge ausfallen. Dazu kommen die Kantonal und Gemeindesteuern. Ein Arbeitnehmer mit 8000 Franken brutto behält am Ende vielleicht 5500 bis 6500 Franken netto übrig. Das ist immer noch viel Geld, aber der Abzug ist spürbar.

Die Mindestlöhne gibt es in der Schweiz nicht flächechend gesetzlich geregelt. Es gibt einen Mindestlohn nur in wenigen Branchen, die durch Gesamtarbeitsverträge abgedeckt sind, beispielsweise im Baugewerbe, in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft. In der Privathaushaltshilfe gilt ebenfalls ein gesetzlicher Mindestlohn. Ansonsten sind die Gehälter frei verhandelbar. Das kann für hochqualifizierte Spezialisten ein Vorteil sein, für schlecht bezahlte Hilfskräfte jedoch ein Nachteil.

Wer in die Schweiz kommt, sollte unbedingt vor der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag klären, ob das angebotene Gehalt ein Bruttojahreslohn oder ein Bruttomonatslohn ist. In der Schweiz ist der Jahreslohn üblich, der in 13 Monatslöhne aufgeteilt wird. Das bedeutet, man bekommt jeden Monat seinen festen Lohn und zusätzlich im Dezember oder Juni einen 13. Monatslohn. Dieser ist aber kein Bonus, sondern bereits im Jahressalar enthalten. Manche Firmen bieten zudem Leistungsboni, Aktienoptionen oder Weiterbildungsbudgets an, die den effektiven Wert des Arbeitsplatzes deutlich erhöhen können.

Zusammengefasst kann man sagen, dass ein Einkommen von unter 5000 Franken brutto in der Schweiz als eher niedrig gilt, während alles zwischen **6000 und **9000 Franken einen soliden Mittelstand darstellt. Ab 10000 Franken brutto gehört man zu den gut Verdienenden. Aber die entscheidende Frage ist nicht, wie hoch der Lohn ist, sondern was davon am Ende des Monats übrig bleibt, nachdem Miete, Versicherung, Steuern und Lebensmittel bezahlt sind. Wer das im Blick behält, kann in der Schweiz finanziell sehr gut leben. Wer das nicht tut, wundert sich, wo das Geld geblieben ist.